PAS-Coaching für entfremdete Eltern, deutschlandweit

Montag, 14. Dezember 2020

30 ‐ 40.000 Kontaktabbrüche in Folge von Eltern-Kind-Entfremdung (PAS) jährlich - der Große Zustandsbericht 2020/2021

Großer Zustandsbericht zur Lage im Familienrecht in Deutschland.

Der aktuelle Zustandsbericht zur Lage im Familienrecht in Deutschland erschien im November 2020. In diesem Artikel stelle ich den Bericht vor und schildere meine Eindrücke.
Sowohl beruflich als auch privat las ich den Bericht mit großem Interesse.
Als Coach und systemische Therapeutin unterstütze ich nämlich entfremdete Eltern und bin stets an neuen Erkenntnissen, Zahlen und Fakten interessiert. Privat bin ich Stiefmutter eines durch PAS misshandelten Kindes - deshalb habe ich auch an der Umfrage, die dem Bericht vorausging, teilgenommen. Im Vorfeld habe ich mich mit einigen Beteiligten und Helfern*innen über die Idee des Projektes ausgetauscht, was das Ganze noch spannender machte.

Eltern-Kind-Entfremdung, PAS, Parental Alienation, Zustandsbericht, Familienrecht, Papa Mama Auch e.V.
Foto: Pexels auf Pixabay

Idee und Initiative.

Die Idee und Initiative für die Umfrage, in Folge welcher der Bericht verfasst wurde, stammt vom Papa Mama Auch e.V. - einem deutschlandweit aktiven Verein für gemeinsame Erziehung, zuverlässigen Kontakt zu beiden Eltern und für eine glückliche Kindheit mit getrennten Eltern, vertreten durch den Vorstand Ulf Hofes.
Die Initiative entstand als Reaktion auf die aktuelle familienpolitische Lage und auf die vergangenen politischen Aktivitäten der Großen Koalition, ebenso als Reaktion auf die weitestgehend passive Haltung der Bundesministerien für Familie und für Justiz.

Durchführung.

Der Verein hat auch die Durchführung des Projektes übernommen. Sowohl an der Idee, Initiative als auch an der Umsetzung dieses Zustandsberichtes arbeiteten Dr. Charlotte Michel-Biegel und Ulf Hofes.
Unterstützt wurden sie von zahlreichen ehrenamtlichen erfahrenen Fachleuten, Helferinnen und Helfern, die in der Danksagung des Berichts alle namentlich genannt werden.  

An der Internet-Umfrage, die 34 Fragen mit jeweils bis zu zehn Antwortoptionen enthielt, haben knapp 1200 Menschen teilgenommen - eine überwältigende Resonanz, bedenkt man, dass die Teilnahmefrist sehr kurz war, resümiert der Vorstand Ulf Hofes auf der Vereinsseite www.papa-mama-auch.de.

Auch ich habe an der Umfrage teilgenommen. Es war recht surreal für mich, bei einer solchen Umfrage mitzumachen, da ich de facto auf beiden Seiten stehe. Ich coache entfremdete Eltern und sehe die Problematik einerseits rein fachlich. Andererseits bin ich Ehefrau eines betroffenen Vaters und Stiefmutter eines durch PAS misshandelten Kindes - dies ist die private, emotionale Seite, die mit zur Teilnahme an der Umfrage bewog.

Die Beantwortung der 34 Fragen hat mir wiederholt und besonders deutlich vor Augen geführt, wie wirklich jede*r, also auch ein Mensch vom Fach, dem maroden Familienrechtssystem ausgeliefert sein kann, das über die Willkür und Bosheit einer einzigen Person hinweg sieht.

Mehrwert.

Der Titel  "Großer Zustandsbericht" ist sehr treffend gewählt. Der Bericht umfasst nämlich tatsächlich alle Aspekte des Entfremdungs-Alltags in Deutschland. Rechtliche, psychologische, medizinische, wirtschaftliche und emotionale Aspekte werden als gleich relevant berücksichtigt und dargestellt.

Der Bericht zeigt dadurch die verheerenden, großflächigen, ineinander übergreifenden Ausmaße der Eltern-Kind-Entfremdung auf einen Blick - eine solche allumfassende Darstellung war bereits längst fällig und ihre Wirkung auf mich als Leserin war und ist enorm.

Es ist auch meines Wissens der erste Bericht dieser Art, in dem nicht nur umfangreiche Statistiken zitiert werden, sondern Betroffene selbst über die Misstände berichten. Auch Personen, die bisher eher ein Schattendasein im Familienrecht fristeten, die jedoch für das Kindeswohl essentiell sind, werden erwähnt und in ihrer Rolle gewürdigt: die Großeltern.

Obwohl es ein fachlicher Bericht ist, lässt die Sprache einen guten Lesefluss zu. Immer wieder kommen Betroffene zu Wort in Form von kurzen Erfahrungsberichten - dieser roter Faden macht den Lesenden immer wieder klar, dass die Eltern-Kind-Entfremdung keine Theorie respektive Hirngespinst der es zu gut meinenden Psychologen und Pädagogen ist, sondern ein Phänomen, das mitten in unserem Alltag angesiedelt ist - vielleicht sogar auch bei dem/der netten Nachbarin nebenan, der/die immer das Thema wechselt und dessen/deren Kinder immer so eigenartig gucken, wenn man fragt, wann es wieder zu Mama/Papa zum Umgang geht.
[Nachtrag 02.02.2021: Ende Januar 2021 habe ich, durch den Bericht inspiriert,  selbst ein Interview mit einer erwachsenen Betroffenen geführt, die als Kind durch PAS misshandelt wurde. Das Interview finden Sie hier.]

Funktionen.

Der Bericht erfüllt dreierlei Funktionen - und auch darin besteht sein bisher einmaliger Mehrwert:

- für diejenigen, die sich der Problematik bereits bewusst haben, stellt er einerseits eine Zusammenfassung und andererseits Ergänzung/Vertiefung der Informationen dar.
- diejenigen dagegen, die sich bisher als Unbeteiligte oder als eingeschränkt Zuständigen/Handlungsfähigen betrachteten oder nach dem Motto "Was willste machen, ist halt so bei Trennungen" - vorgingen, lässt
er aufhorchen, aufmerksamer werden. Er läst Dinge, Zustände und Verhaltensweisen bemerken, zuordnen und thematisieren.
- an die Politiker*innen und Entscheidungsträger*innen stellt der Bericht klare und handfest sowie umfassend begründete Forderungen.

Zielgruppen.

Der Bericht spricht ein sehr breites Publikum an - in Übereinstimmung mit seinem Zweck, der darin besteht, möglichst große und diverse Teile der Gesellschaft zu erreichen, um auf die Missstände der Elter-Kind-Entfremdung aufmerksam zu machen, ein gesellschafts- und professionsübergreifendes Bewusstsein für das Thema Eltern-Kind-Entfremdung (Parental Alienation) zu erschaffen und die Entscheidungsträger zum Handeln zu bewegen.

Betroffene werden sich von dem Bericht wahrscheinlich als erste angesprochen fühlen. Fachleute (m/w/d) wie Rechtsanwälte, Psychologen, Gutachter, Pädagogen, Berater an den Jugendämtern und Beratungsstellen, Verfahrensbeistände werden dem Bericht (hoffentlich!) einiges abgewinnen können, und zwar unabhängig davon, ob sie sich bereits mit der PAS-Problematik befasst haben, oder das Thema bisher eher als eine Art Randerscheinung ("Sind ja alles Einzelfälle...")betrachteten. Insbesondere für die Letzteren kann der Bericht neue beruflich relevante Erkenntnisse liefern. Auch Politiker, Gerichte und alle Entschedungsträger sind Adressaten dieses Berichts - insbesondere diejenigen unter ihnen, die die Eltern-Kind-Entfremdung bisher vollständig ausgeblendet oder eben als "Einzelfälle" abgetan haben.

Durch seine sachliche Form einerseits und den emotionalen roten Faden andererseits schafft der Bericht jedoch, dass auch "Unbeteiligte" Interesse dafür entwickeln können. Und sollen.
Denn die Entfremdung lebt nicht nur von Entfremder:innen und maroden Institutionen allein. Entfremdende Elternteile werden in der Regel passiv oder aktiv von einem Netz aus "wohlwollenden" Personen unterstützt, die die seelische Misshandlung der Kinder bewusst oder unbewusst, aktiv (mitmachen) oder passiv (dulden, wegschauen, bagatellisieren) als Mittäter:innen unterstützen.

Personen, die sich als bisher unbeteiligt empfanden, können mit Hilfe des Berichts realisieren, dass jede:r beteiligt ist, der die Missstände der Kindesentfremdung mitbekommt, jedoch tatenlos zuschaut (sei es aus "ehrenwerten" Beweggründen, denn der/die Entfremder*in ist schließlich ein*e alte*r Freund*in, Familienmitglied, nette*r Nachbar*in, alte*r Schulkamerad*in etc.) oder die Entfremdung bagatellisiert.

Inhalt.

Der Bericht enthält 82 Seiten - ausnahmslos alle lesenswert. Dennoch erlaubt die Form, auch nur einzelne Kapitel oder die Kapitel in beliebiger Reihenfolge zu lesen.
Der Bericht ist wie folgt aufgeteilt:

Vorwort Cornelia Spachtholz, Verband berufstätger Mütter S. 3
1. Einleitung S. 5
2. Umfrage zum Zustand im Familienrecht und zu Eltern‐Kind‐Entremdung S. 8
3. Ergebnisse, Werte und Betroffenenberichte — Die Eltern S. 11
3.1 Betroffene Großeltern S. 15
3.2 Familienberatungsstellen und Jugendämter S. 17
3.3 Familiengerichte S. 22
3.4 Verfahrensbeistände & Gutachter S. 29
3.5 Erfahrungen mit Anwälten S. 31
3.6 Gewalt oder Missbrauch als Ursache von Kontaktabbrüchen S. 33
3.7 Konsequenzen für betroffene Elternteile S. 35
3.8 Schäden für Wirtschat, Staat, Steuerzahler, Krankenkassen S. 37
4. Fall aus der Praxis S. 40
5. Berichte ehemals entremdeter Kinder S. 44
6. Betroffenenberichte S. 54
7. Suizidgedanken und Suizide S. 58
8. Bewertungen, Kommentare und Einordnungen von Experten S. 61
8.1 Dr. Charlotte Michel‐Biegel S. 62
8.2 Prof. Dr. Menno Baumann S. 65
8.3 Dipl.‐Psych. Friederike Dushe S. 67
8.4 Guido R. Lieder S. 69
8.5 Christa Habscheid S. 71
9. Forderungen an die Politk S. 74

Bericht als PDF: Download.


Kontakt:

Bei Gesprächs- oder Beratungsbedarf und bei Fragen erreichen Sie mich unverbindlich und deutschlandweit telefonisch, per WhatsApp oder e-Mail: Kontaktinfos.

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